{"id":1757,"date":"2012-11-11T12:09:44","date_gmt":"2012-11-11T11:09:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.bettinastadler.de\/wordpress\/?p=1757"},"modified":"2012-11-13T15:36:58","modified_gmt":"2012-11-13T14:36:58","slug":"uninspiriert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.blog.bettinastadler.de\/wordpress\/2012\/11\/uninspiriert\/","title":{"rendered":"Uninspiriert."},"content":{"rendered":"<p>Die Stadtbibliothek ist wieder ge\u00f6ffnet. Gleich vorab: Die Mitarbeiter (die selbst wahrscheinlich am Meisten darunter leiden, es aber nicht sagen d\u00fcrfen) trifft keine Schuld. Auch der Security-Mann am Eingang d\u00fcrfte sich eher langweilen,<!--more--> macht aber gleichwohl \u201eEindruck\u201c. Und: moderne Architektur ist nicht grunds\u00e4tzlich b\u00f6se \u2013 auch nicht im historischen Umfeld, wie manche Stimmen glauben lassen. Aber nach dem ersten Besuch stellen sich Einem doch Fragen: \u201eMuss das so sein? Bleibt das so? Nee, oder?\u201c<\/p>\n<p>Sehen wir also \u00fcber die in DDR-nostalgischem Graubraun gehaltene Fassade hinweg und suchen den Eingangsschlitz. Leider darf sich das Geb\u00e4ude ja nicht mehr zum Platz hin \u00f6ffnen. Dort wartet also eine Dreht\u00fcr, die \u2013 laut angeklebten Zetteln \u2013 keinesfalls zu mehreren betreten oder ber\u00fchrt werden darf. Mensch, beuge dich der Maschine! Woran erinnert uns das? Ach ja, am \u201eCitypoint\u201c funktioniert das genauso wenig!<\/p>\n<p>Dann geht es erst mal abw\u00e4rts in die Abfertigungshalle \u2013 in einladendem Grau gehalten. Die Schlie\u00dff\u00e4cher mit kleinen Zahlenblock, der nicht nur das Ged\u00e4chtnis (welches K\u00e4stchen war\u2018s doch gleich, welchen Code habe ich mir ausgedacht?), sondern auch die Fingerfertigkeit trainiert (wer die Eingabe nicht in knapper Zeit bew\u00e4ltigt, darf gleich nochmal von vorne anfangen). Wem f\u00e4llt dazu ein lustiges Spiel f\u00fcr verregnete Nachmittage ein?<\/p>\n<p>Irgendwo da hinten sind auch Toiletten \u2013 schick. Alle den Gesamteindruck st\u00f6renden Details wie Seifen- und Handtuchspender wurden so elegant versteckt, dass der Nutzen sp\u00fcrbar leidet. Man hat doch lange Arme und fummelt gerne irgendwo hinterm Spiegel rum. Und Kinder? Naja, gibt ja in einer Bibliothek sicher nicht so viele.<\/p>\n<p>Im Treppenhaus: Sichtbeton (sollte es wohl sein \u2013 wenn er denn sauber gearbeitet w\u00e4re!) und Metall (warum auch immer in knallgr\u00fcn?) sind bekannt f\u00fcr ihre N\u00fcchternheit \u2013 offenbar soll hier alle Inspiration der Literatur \u00fcberlassen bleiben. Wir lassen die Parkhausatmosph\u00e4re f\u00fcrs Erste hinter uns und erreichen den weiten und irgendwie leeren ersten Saal \u201eBelletristik\u201c. Funktioniert, aber setzt keinerlei Anreize zum St\u00f6bern, Bleiben, Reinlesen&#8230;<\/p>\n<p>Anscheinend gibt es auch ein Farbleitsystem \u2013 es musste nur schon mit ausgedruckten Zetteln erg\u00e4nzt werden. Ach ja, die Beschriftung: Buchdruck \u2013 was g\u00e4be das Thema in graphischer Hinsicht alles her\u2026 aber wenigstens praktisch und gut lesbar sollten die Schilder sein \u2013 die gew\u00e4hlte Symbolik \u201eK\u201c und \u201eL\u201c sowie die angeknabberte Breitschrift (mit dem seltsam ausbrechendem &#8222;e&#8220;) verfehlen leider beides: \u201eKleines \u201al\u2018 oder doch \u201a1\u2018?\u201c<\/p>\n<p>Graue Metallregale verbreiten im ganzen Haus gute Laune, W\u00e4rme und Gem\u00fctlichkeit. Gibt es eigentlich ein Gesetz, nach dem man sich in \u00f6ffentlichen Bauten nicht wohlf\u00fchlen darf? Sch\u00f6n immerhin, dass die Musikbibliothek nun im Haupthaus ist \u2013 und die Best\u00e4nde damit deutlich besser im Blick. Der Kinder- und Jugendbereich \u2013 \u00e4hnlich wie unten, zus\u00e4tzlich eine \u00fcberschaubare Anzahl an bunten, offenbar als altersgerecht angesehenen \u201eM\u00f6beln\u201c \u2013 der Eindruck: zusammengest\u00f6pselt, sp\u00e4rlich. \u00c0 propos: Dass ein Kinderkino (an sich ja eine nette Idee) auch einen Projektor, und dieser Stromanschluss braucht, ist offenbar auch erst nach der Er\u00f6ffnung aufgefallen.<\/p>\n<p>Der Blick auf die Stadtsilhouette ist tats\u00e4chlich eindrucksvoll, erwartungsvoll steigt man nach oben \u2013 und steht vor verschlossenen T\u00fcren: Nur f\u00fcr Personal. Das sind die Dinge, die einfach aufregen: Warum gibt es da keine Dachterrasse, keinen Lesesaal oder Cafeteria? Warum werden die M\u00f6glichkeiten, die ein Neubau schafft, nicht genutzt? Warum wirkt alles so willenlos, so uninspiriert? Von welcher Haltung zeugt diese Qualit\u00e4t? Wo ist die Idee in diesem Entwurf? Nebenan das Cinecitt\u00e0 ist bei aller Kommerzarchitektur schlauer konzipiert.<\/p>\n<p>Fazit: Man wird sich an dieses Bauwerk gew\u00f6hnen (m\u00fcssen), aber ein Bau, der B\u00fcrger und\u00a0 Kultur zusammenbringt, der der \u00e4ltesten deutschen Stadtbibliothek w\u00fcrdig w\u00e4re, h\u00e4tte mehr sein m\u00fcssen.\u00a0 Ob meine Kopfschmerzen an diesem Abend auch damit zusammenh\u00e4ngen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadtbibliothek ist wieder ge\u00f6ffnet. Gleich vorab: Die Mitarbeiter (die selbst wahrscheinlich am Meisten darunter leiden, es aber nicht sagen d\u00fcrfen) trifft keine Schuld. 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